Geschrieben von Spider am 03.02.2007 um 09:03:
Lugner laut Bischof Laun "exkommuniziert"
Der Salzburger Weihbischof Andreas Laun fährt mit schwersten theologischen Geschützen gegen Einkaufszentrums-Chef Richard Lugner auf. Weil im neuen sexualmedizinischen Zentrum der Lugner City Abtreibungen angeboten würden, habe sich Lugner selbst aus der katholischen Kirche ausgeschlossen und sei damit "exkommuniziert", so Laun am Freitag gegenüber dem katholischen Online-Magazin "Kath.net". Der Wiener Kirchenrechtler Bruno Primetshofer widersprach Laun dagegen entschieden.
Laun beruft sich auf Paragraph 1041, 4 des Kirchenrechts: "Da Lugner durch die Zulassung von Abtreibungen in seinem Einkaufszentrum an der Abtreibung 'mitwirkt', ist er von der Bestimmung betroffen und ist exkommuniziert", so der Weihbischof.
Laun erklärte, dass sich ein Katholik, der Abtreibungen in irgendeiner Form unterstütze, selbst aus der Kirche ausschließe. Dies betreffe jeden, der "vorsätzlich einen Menschen getötet oder eine vollendete Abtreibung vorgenommen hat, sowie alle, die positiv daran mitgewirkt haben", zitierte er aus dem Kirchenrecht.
Kirchenrechtler widerspricht Laun
Der renommierte Wiener Kirchenrechtler Bruno Primetshofer wies die Deutung Launs entschieden zurück. "Das trifft nicht zu", stellte er klar. Die Exkommunikation betreffe lediglich denjenigen, der aktiv eine Abtreibung vorgenommen habe und die Frau, welche diese vornehmen lasse. "Der Lugner ist in keinem Fall betroffen davon", so Primetshofer.
Lugner: "Kirche hat auch Hexen verbrannt"
Lugner reagierte auf die Behauptung Launs mit scharfer Kritik. "Die Kirche hat auch Hexen verbrannt", ärgerte er sich. Er betonte auch, mit der Klinik in seiner City "nichts zu tun zu haben". Er selbst beziehungsweise seine Lebensgefährtinnen haben auch niemals derartige Dienste in Anspruch nehmen müssen. "Alle Kinder, die ich in die Welt gesetzt habe, leben noch", betonte Lugner. Seine Treue zur Kirche ist trotz des schweren theologischen Geschützes ungebrochen: "Ich bin Katholik!"
Lugner hatte am Donnerstag betont, Katholik zu sein. Er habe vier Kinder gezeugt und keines davon abgetrieben. Am Donnerstag hatte er auf die Rechtslage in Österreich hingewiesen und um Verständnis für die Betroffenen geworben: "Diese Frauen sind ja auch Menschen, nicht nur die Kinder."
Stein des Anstoßes ist eine neue sexualmedizinische Einrichtung im Ärztezentrum der Lugner City in Wien, in der auch Schwangerschaftsabbrüche angeboten werden. Die Eröffnung am Donnerstag rief katholische Abtreibungsgegner auf den Plan. "Abtreibungen im Einkaufszentrum" seien nicht hinnehmbar, meinten sie in einer Kundgebung. Gegendemonstranten sahen das anders: "Hätte Maria abgetrieben, wär' uns das erspart geblieben", so deren höhnischer Slogan.