Geschrieben von Cheffe am 27.10.2006 um 08:50:
Michael J. Fox, TV-Spot - US Wahl
Auftritt bewegt ganze Nation
Eigentlich geht es in dem TV-Spot nur um die US-Demokratin Claire McCaskill, die im Bundesstaat Missouri Senatorin werden will. Mit ihrem Eintreten für legale Stammzellforschung hat sie jedoch einen prominenten Fürsprecher gefunden: den Schauspieler Michael J. Fox.
Innerhalb von Tagen wurde das Video des 45-jährigen Film- und Fernsehstars zum Gesprächsthema in den ganzen USA: Fox zeigt sich darin schonungslos als der kranke Mann, der er seit Jahren ist: Vor 15 Jahren wurde bei ihm die Parkinson-Krankheit diagnostiziert.
Demokratin nützt Republikaner-Trick
Die Legalisierung von Stammzellforschung ist eines der am heißesten umkämpften Themen in den USA. Während die Demokraten dafür sind, lehnen die Republikaner von US-Präsident George W. Bush jede Forschung mit den Zellen wenige Tage alter Embryonen aus religiösen Gründen ab.
Die Politikerin McCaskill wendet bei den kommenden US-Kongresswahlen noch dazu eine Taktik an, mit der bisher die Republikaner punkten konnten: Mit der Wahl wird in Missouri auch ein Referendum zur Stammzellforschung abgehalten - Wählermobilisierung garantiert.
Der große Coup
Mit Fox' Auftritt dürfte McCaskill der große Coup gelungen sein. Der Auftritt, den die "New York Times" einen der "eindrucksvollsten und meist diskutierten Werbespots seit Jahren" nannte, hat ganz Amerika bewegt - und offenbar auf ihre Seite gebracht.
Laut jüngsten Umfragen sind mittlerweile 58 Prozent der US-Bürger für die Freigabe der Stammzellforschung - in der Hoffnung, mit den Erkenntnissen daraus gegen Krankheiten wie Diabetes, Alzheimer, Krebs und eben auch Parkinson kämpfen zu können.
"Amerikaner wie mich"
In dem Video schärft Fox den Wählern von Missouri medienwirksam ein, ihre Entscheidung habe direkten Einfluss auf das "Leben von Millionen von Amerikanern. Amerikanern wie mich." Das Echo auf den Auftritt überraschte selbst die Demokraten.
Allein auf der Internet-Plattform "YouTube", wo die Demokraten das Video selbst online gestellt hatten, wurde der Spot innerhalb weniger Tage eine Million Mal aufgerufen. Auch die Reaktionen der Republikaner sprachen Bände - und wurden zum Bumerang.
Nur "geschauspielert"?
Der ultrakonservative Radio-Kommentator Rush Limbaugh erklärte etwa, Fox habe in dem Video entweder "absichtlich seine Medikamente nicht genommen oder geschauspielert". Aussagen wie diese brachten die Volksseele jedoch erst wirklich gegen die Republikaner auf.
Limbaugh entschuldigte sich zwar, doch das half auch nichts mehr: Selbst die Tochter des früheren US-Präsidenten Ronald Reagan sprang nun für Fox in die Bresche und lobte ihn dafür, dass er seine Krankheit nutze, um "die Türen zu einer besseren Zukunft aufzustoßen".
Fox witzelt über Limbaugh
Fox hatte außerdem die Lacher auf seiner Seite, als er bei einem Wahlkampfauftritt in Richtung Limbaugh meinte, er habe "heute auch brav die Pillen genommen". In einem letzten Versuch, das Steuer herumzureißen, setzen nun die Republikaner ihrerseits auf Star-Power.
Republikaner setzen auf "Jesus"
In aller Eile wird nun ein Video gedreht, in dem Gegner der Stammzellforschung für ihre Sache werben sollen. Vor allem handelt es sich dabei um bekannte Sportler. Außerdem soll Jim Caviezel, der Jesus-Darsteller in Mel Gibsons umstrittenem Film "Passion", zu Wort kommen.
Beobachter zweifeln jedoch daran, dass die Republikaner die Wirkung von Fox' Auftritt schmälern können. Für die Politologin Kathleen Hall Jamieson etwa hat es eine Botschaft, gegen die man nicht ankämpfen kann: "Wenn ihm das passieren kann, kann das auch mir passieren."
hier der spot:
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