Geschrieben von Spider am 30.12.2006 um 13:50:
Saddam Hussein am Samstag hingerichtet
Der frühere irakische Diktator Saddam Hussein ist tot. Wie irakische Sender am Samstagmorgen unter Berufung auf Regierungsquellen berichteten, wurde das Todesurteil gegen den 69-Jährigen in Bagdad um 06.00 Uhr Ortszeit (04.00 MEZ) vollstreckt. Saddam war am 5. November wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tod durch den Strang verurteilt worden.
Die Hinrichtung war offenbar Minuten vor Beginn der muslimischen Opferfeiertage rund um die Hadj nach Mekka durchgeführt worden, ab diesem Zeitpunkt sind Exekutionen im Irak verboten. Der ehemalige Machthaber, der fast 24 Jahre im Irak herrschte und vor über drei Jahren von einer von den USA geführten Streitmacht gestürzt wurde, hatte in einem vor wenigen Tagen bekannt gewordenen Brief mitgeteilt, er wolle sich als Märtyrer opfern.
Die Fernsehsender Al Arabiya und CNN zeigten Videoaufnahmen, in denen Saddam zu sehen war, wie er von zwei vermummten Henkern in einem Raum mit Betonwänden zum Galgen geführt wurde. Als die Henker ihm die Schlinge um den Hals legten, brach der Sender den Film ab. Das staatliche Fernsehen des Iraks hatte ebenfalls angekündigt, die Hinrichtung zu zeigen.
Saddam-Opfer dürfen Leiche sehen
Die irakische Regierung hat Opfern des ehemaligen Diktators die Gelegenheit gegeben, die Leiche des Hingerichteten zu sehen. Dafür wurde der Tote in das Büro des Ministerpräsidenten Maliki im Bagdader Regierungsviertel gebracht. Die Leiche war mit einem schwarzen Anzug und einem weißen Hemd bekleidet und in Teilen mit einem weißen Tuch bedeckt.
Iraks Regierungschef appelliert an Anhänger
Der irakische Ministerpräsident Maliki forderte die Anhänger des hingerichteten Saddams auf, sich an der politischen Neuordnung des Landes zu beteiligen. "Ich rufe die Anhänger des gestürzten Regimes auf, ihre Haltung zu überdenken", hieß es in der ersten Erklärung Malikis nach der Hinrichtung des ehemaligen Diktators. "Die Tür steht noch immer für alle offen, die kein unschuldiges Blut an den Händen haben, beim Wiederaufbau des Iraks für alle Iraker zu helfen."
Bush: "Wichtiger Meilenstein" für den Irak
US-Präsident Bush würdigte die Hinrichtung als gerechte Strafe. Sie sei ein "wichtiger Meilenstein" auf dem Weg zu einer irakischen Demokratie. Die EU-Kommission dagegen verurteilte die Hinrichtung, die in Ausschnitten im Fernsehen zu sehen war.
EU: Hinrichtung barbarisch
EU-Entwicklungshilfekommissar Michel erklärte, die Vollstreckung des Urteils könnte Saddam zu einem Märtyrer machen. "Man kann Barbarismus nicht mit Mitteln bekämpfen, die genauso barbarisch sind", sagte der belgische EU-Kommissar und fügte hinzu: "Die Todesstrafe ist mit einer Demokratie nicht vereinbar."
Saddam, der Märtyrer
Saddam Hussein hatte in einem Brief mitgeteilt, er wolle sich als Märtyrer opfern. Wie sein Anwalt Curtis Doebbler dem US-Sender CNN sagte, wolle die irakische Regierung den Leichnam Saddams nicht der Familie übergeben, sondern in einem anonymen Grab beisetzen. Dagegen forderte eine Tochter Saddams die vorübergehende Beisetzung im Jemen. Wenn es die politischen Verhältnisse erlauben, solle ihr Vater dann später im Irak seine letzte Ruhe finden.
Saddam war wenige Stunden vor der Hinrichtung aus amerikanischem Gewahrsam den irakischen Behörden übergeben worden. Dies war eine Voraussetzung für die Vollstreckung des Urteils. Anzeichen für eine baldige Hinrichtung war auch die Aufforderung an die Anwälte Saddams gewesen, die persönliche Habe des Todeskandidaten aus dem Gefängnis abzuholen.
Antrag auf Aufschiebung abgelehnt
Ein US-Bezirksgericht in Washington hatte in der Nacht einen Antrag der Anwälte Saddams abgelehnt, mit dem diese in letzter Minute einen Aufschub der Hinrichtung erreichen wollten. Anwalt Doebbler sprach gegenüber dem US-Senders CNN von einem "ungewöhnlichen Schritt" des US-Gerichts. In anderen Fällen sei entsprechenden Anträgen zugestimmt worden. Die Hinrichtung Saddams nannte er eine Ungerechtigkeit, an die man noch lange denken werde.
Nach Angaben des US-Justizministeriums hatten die Anwälte geltend gemacht, dass Saddam Hussein als "Kriegsgefangener" in US-Gewahrsam sei und deshalb durch die Genfer Konventionen geschützt sein müsse. Der irakische Ex-Präsident wolle das Todesurteil nicht anfechten, sondern zunächst eine Aussetzung der Vollstreckung erreichen.
Jörg Haider übt Kritik an der Hinrichtung
Heftige Kritik an der Vollstreckung des Todesurteils hat der Kärntner Landeshauptmann Haider geübt. Dass die Exekution auch noch gefilmt worden sei, bezeichnete Haider als "makabre Provokation der gesamten arabischen Welt". Dies werde weitere Terroranschläge, Gewalt und Instabilität auslösen, befürchtet Haider, der noch am Freitag appelliert hatte, das Todesurteil nicht zu vollstrecken. Mit dieser Hinrichtung stelle sich George Bush auf eine Stufe mit diktatorischen Regimes, attackierte der Landeshauptmann neuerlich den US-Präsidenten, den er am Freitag als "Kriegsverbrecher" bezeichnet hatte.